Die andere Sichtweise vom Mond und die Frage wie lebe ich richtig?

Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Im Jahr 2000 war ich für vier Wochen in Indien und konnte am Nachthimmel die kompletten Mondphasen beobachten. An einem Abend ging ich spazieren und mein Blick richtete sich nach oben. Ich konnte den Mond in seiner ganzen Schönheit betrachten. Spontan schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: „Der ist ja ganz anders als zu Hause, der ist verkehrt herum und schaut auch ganz anders aus“. Von diesem ungewohnten Bild war ich völlig begeistert und fortan beobachte ich jeden Abend den Nachthimmel.

Was hatte ich gesehen? Hatte ich einen anderen Mond gesehen? War das der gleiche Mond wie zu Hause? Er sah so anders aus. Ich hatte die Mondsichel zum ersten Mal als Mondschaukel gesehen.

Bei der Ansicht des Mondes ist es völlig klar, dass es auf den Betrachtungswinkel ankommt und ich ihn nun anders gesehen hatte. Der Mond bleibt der Mond, egal wie ich ihn betrachte, er verändert nicht sein Aussehen (zu mindestens nicht in einem kurzen Menschenleben).

Was hat der Mond mit unserer Gesellschaft  zu tun und was geht in ihr vor?

  • Beharrt jeder von uns auf seinen richtigen Blickwinkel?
  • Ist mein Blickwinkel der einzig Richtige und die anderen liegen alle falsch?
  • Bin ich im Recht oder der andere?
  • Sind wir alle auf der Suche nach der absoluten Wahrheit?
  • Gibt es die absolute Wahrheit?
  • Wer sagt uns, was die Wahrheit ist?

In fünf oder sechs Jahren werden wir aus der Retroperspektive wissen, was annähernd „Jetzt – im Moment“ für uns gut wäre. Doch im Moment wissen wir es als Menschheit einfach nicht.

Die ganze Menschheit kommt mir vor wie ein wildgewordener Bienenstock. Alle fliegen wild und planlos durcheinander, bis sich der ganze Schwarm wieder beruhigt und endlich wieder Ruhe und innere Ordnung einkehrt.

Wie gelingt es uns und als Einzelperson in die Ruhe und die innere Ordnung zu kommen?

Vielleicht erlauben wir uns als Menschheit der Frage nach dem „Jetzt – dem gegenwärtigen Moment“ nachzugehen.

Eine Frage könnte sein:

„Wie lebe ich richtig?“         Anstelle        „Wie lange lebe ich?“

Der Tod gehört zum Leben dazu und doch wird er verdrängt. Im Moment wird er gesellschaftlich fast auf einen Sockel gestellt und es gilt ihn um jeden Preis zu vermeiden. Kein Mensch möchte früh sterben oder gar an den Tod denken. Auch ich hoffe für mich, dass ich noch genügend Zeit habe und dieser Kelch bitteschön an mir vorbeigehen möge.
 

Was macht mit uns die Fragestellung „Wie lebe ich richtig?“

  • Drückt sich in dieser Frage eine andere Lebensqualität aus?
  • Bewegen wir uns mit dieser Frage zu unserem eigenen Herzen?
  • Gehen wir auf uns selbst zu?
  • Bleiben wir mit dieser Frage in unserer Güte und können die andere Person sehen, so wie sie ist?

Ist es nicht so, dass diese Frage einen Spielraum für den anderen offenlässt? Er kann und darf sich entwickeln, so wie es für ihn richtig und gut ist. Ich darf mich ebenso entwickeln, wie es für mich wichtig ist.

Ich wünsche uns sehr, dass es uns täglich gelingt, in unser Herz zu gehen und dort anzukommen.

Das wir von dieser Position die Welt betrachten, den anderen mit Staunen beobachten und anerkennen, dass die andere Person nur einen anderen Betrachtungswinkel in sich trägt.

Dieser Betrachtungswinkel ist nicht falsch und richtig – es ist einfach ein Betrachtungswinkel.

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